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Wie trete ich aus der Kirche aus?

Wie trete ich aus der Kirche aus? Früher musste man zum Amtsgericht. Heute nimmt jedes Rathaus die Austrittserklärung an - auch wenn man nicht in seinem Zuständigkeitsgebiet wohnt.


Theologie: Hinauf auf die Meta-Ebene der Meta-Ebene

Deutsche Theologen müssen aus ihrem Desaster raus. Sie müssen von ihrer wissenschaftlichen Meta-Ebene auf deren Meta-Ebene hinauf steigen und in einem direkten Glauben mit Gebet und Bibel-Lektüre den biblischen Jesus Christus wieder erkennen und anerkennen.


Kommentar

Wir, Heinrich Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Heinrich Bedford-Strohm (München), verwechselte an markanter Stelle die erste Person Plural mit der ersten Person Singular.

Er fragte während der EKD-Synode im November 2019 in Dresden: Wo stehen "wir" dem Evangelium selbst im Weg? Der Münchner Bischof sagte dies angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen der Kirchen.

Aber hätte Bedford-Strohm angesichts seines Verleugnens des Kreuzes 2016 in Jerusalem nicht besser fragen sollen: Wo stehe "ich" selbst dem Evangelium im Wege?

Jetzt könnte die Evangelische Akademie von und zu Berlin versuchen, die Kritik und Meinung dieses Kommentars als Hassrede auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Damit käme es zum Konflikt. Da wir Gott sei Dank mittlerweile in einem Rechtsstaat leben, ließe sich der Konflikt jedoch vor einem deutschen Gericht austragen.

Entschieden Gerichte des Landes, zu dem der Islam gehört, obige Meinungsäußerung sei Hassrede und nicht zulässig, bliebe nur noch der Weg nach Straßburg.

Beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof hätte man mit der Kritik an der Münchner prophetischen Stimme aber auch schlechte Karten. Schließlich verletzt man mit der Meinungsäußerung gegen den Propheten den religiösen Frieden, der in Straßburg höher ist als alle Vernunft. Sabin H o e r e r, 27/11/2019


Jedes Rathaus

nimmt Erklärung an

Wie trete ich aus der Kirche aus?

Was muss ich tun, um in Deutschland aus der Kirche auszutreten? Wie erkläre ich meinen Kirchenaustritt?

Früher musste man zum Amtsgericht und einen Antrag auf Austritt aus der Kirche stellen. Man musste nach der Erklärung zwangsweise bis zum Jahresende Mitglied der Kirche bleiben. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorüber.

Heutzutage genügt es, bei einer Gemeindeverwaltung den Kirchenaustritt zu erklären. Es muss nicht die Stadt oder Gemeinde sein, wo man als Einwohner gemeldet ist. Oft ist das Standesamt die für den Austritt aus der Kirche zuständige Stelle. 

Man zahlt gemeinhin eine Service-Gebühr von 30 Euro, so unsere Erfahrung in Hessen. Die Stadt- oder Gemeindeverwaltung übernimmt alle Aufgaben wie Meldung ans Finanzamt und Eheregister.

Man erhält nach der Erklärung des Kirchenaustritts eine Bescheinigung für den "Austritt aus einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft". Den Bescheid hebt man am besten auf, falls es bei einem Umzug in eine andere Gemeinde oder in ein anderes Bundesland Unsicherheiten gibt.

Was muss man ins Rathaus mitbringen? Welche Dokumente sind nötig, um den Kirchenaustritt zu erklären?

Man braucht kein Formular aus dem Internet runterladen. Auf jeden Fall ist der Personalausweis vorzulegen. Je nach Situation muss man Unterlagen wie die Geburts- und Abstammungsurkunde oder eine Heiratsurkunde mitbringen. Man kann das vorher telefonisch erfragen. (zeta 25/5/2018)


Kommentar

Theologisches Desaster Deutschland

Von Sabin H ö r e r, Berlin

Deutschland steckt in einem theologischen Desaster. Insbesondere das protestantische Deutschland. Der neue Ratsvorsitzende der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), Heinrich Bedford-Strohm, sagte am 16. Dezember 2014 in der FAZ mit Blick auf sich und sein Amt: „Die oberste Loyalität liegt stets bei der Kirche.“

Was würde Martin Niemöller dazu sagen? Der wusste, wem seine oberste Loyalität gehört: Jesus Christus, dem dreifaltigen Gott. Doch solch ein Bekenntnis und Profil sind im modernen christlichen Abendland bei vielen Kirchenchristen passé.

Jesus Christus geht dem christlichen Abendland verloren.

Dazu ein Beispiel. Die EKD steuert auf ein Luther-Jubiläum zu. Es gab bereits Pressekonferenzen. Die FAZ monierte nach einer solchen Veranstaltung: Die Pressekonferenz ging vorüber – und es fiel nicht ein einziges Mal der Name Jesus Christus.

An den theologischen Fakultäten in Deutschland wird seit geraumer Zeit historisch-kritische Theologie betrieben. Dort wird häufig der Zweifel zum Glauben.

Im Gegensatz dazu bleibt Jesus Christus bei Freikirchen und Evangelikalen als Gott verehrt. Wenn bei ihnen der Name Jesus Christus fällt, dann geht ein Leuchten über die Augen. Jesus bedeutet für sie Erlöser, Heiland, Befreier. Jesus ist für sie jener, der nach dem biblischen Sündenfall, der Trennung von Gott und Menschheit, die Versöhnung beider wieder ermöglicht. Das ist das A und O des christlichen Glaubens.

Dies wurde im Islam nie verstanden. Und wenn verstanden, dann bekämpft. Der Islam versteht sich als Abschaffungsreligion der christlichen Religion. Das eigene Verhältnis zu Gewalt und Fundamentalismus wurde dabei in den islamischen Ländern nicht verstanden. Das gäbe Anlass zum gesellschaftlichen Diskurs.

Doch hält sich der bayerische Bischof und Lutheraner Bedford-Strohm da vornehm zurück: „Ich halte nichts davon, wenn Christen als Ankläger des Islam auftreten. Das wäre auch kontraproduktiv.“

Ja wer denn sonst als die christliche Kirche mit ihrer Kompetenz in den theologischen Fakultäten soll sich mit dem Islam auseinandersetzen? Auch der Islam braucht die historisch-kritische Analyse.

Theologen von einem Format wie einst Willy Schottroff müssten dazu den offenen und öffentlichen Diskurs mit den Muslimen pflegen. Die EKD kneift. Ein Domkapitel stellt sein Licht unter den Scheffel und verdunkelt.

Also müssen Personen wie der ehemalige FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte* ran. Der hat eine schwere Position. Er musste untertauchen, denn er wird mit dem Tode bedroht. Ulfkotte wurde als Redakteur in den eigenen Reihen - wie dort üblich - niedergemacht, zum Beispiel als „bunter Hund“ verschrien.

Wo könnte sich ein gesellschaftlicher Diskurs abspielen? Am besten in einem Rahmen, in dem gewährleistet ist, dass die Teilnehmer an ihren Wohnsitzen vor Brandsätzen sicher sind.

Und noch ein Wort zur christlichen Theologie im christlichen Abendland. Sie hat sich auf die Metaebene der Reflexion erhoben und Jesus Christus, den Heiland, vielerorts faktisch abgeschafft. Wer sein Frühstück Morgen für Morgen per Kirchen- oder staatlicher Steuer sicher hat, hat es leicht, die Bergpredigt zu befolgen, was das Sorgen ums Essen, Trinken, Kleiden betrifft.

Da Jesus Christus nicht mehr vorhanden, sind das Infragestellen dieser Metaebene und das Suchen nach einer zeitgemäßen christlichen Theologie angesagt: Das Erforschen und die Praxis direkter Zugänge zu Jesus Christus sind vonnöten, eine neue Jesus-Mystik. Schließlich gilt Jesu Zusage, bis ans Ende der Welt zugegen zu sein.

Wem der Ausdruck "Jesus-Mystik" nicht behagt, möge es "Direkter Jesus-Glaube" nennen.

Zum Beispiel bei christlichen Fundamentalisten wie Evangelikalen sowie Freikirchen, aber auch in der katholischen Kirche sind solche direkten Muster existent. Etwa im Gebet. Und in der Beschäftigung mit der Bibel.

Auf diesen Weg müssten sich Deutschlands Christen in Gänze besinnen. Zurück zu den Wurzeln. Dorthin, wo zahlreiche Christen in anderen Ländern selbstverständlich schon angekommen sind.

So sind Gegensätze zusammengedacht - so widersprüchlich es klingt: Selbst der Glaube christlicher Fundamentalisten und wissenschaftliche Reflexion lassen sich miteinander vereinbaren. Dies funktioniert bereits seit dem 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Aufklärung, das den kritischen Filter der Vernunft gebar. 

Theologisch heißt das: durch eine Neue Jesus-Mystik, einen Direkten Jesus-Glauben, müssten sich die Christen in Deutschland auf eine Metaebene der herrschenden theologischen Metaebene erheben. Um zu erkennen, was sie eigentlich ausmacht.

Sie das versten, Bischoffe Bedford-Strohm? 1/4/2015 sh


*Postscriptum: Der Buchautor Udo Ulfkotte ist im Januar 2017 im Alter von 56 Jahren an Herzversagen gestorben. Ulfkotte bezeichnete sich als "wiedergeborenen Christen".

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