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>>> Deutsche Perspektiven

(zeta) - Die Deutschen sind ein seltsames Volk, Deutschland ist ein seltsames Land. Schlug sich hierzulande lediglich das Klima auf die Mentalität nieder? Wir publizieren auf dieser Seite Deutungsmuster und beredte Zitate zur Erklärung.  

Lesen Sie zudem auf dieser Seite:

>>> Du sollst nicht töten

In Deutschland wird jedes Jahr das Leben von rund 100.000 kleinen Menschen im Körper einer Frau beendet, was bei Frauen häufig das "Post Abortion Syndrome" zeitigt.

>>> Hans J. Reinowski, Mann der Freiheit

Der Darmstädter Chefredakteur Hans J. Reinowski kritisierte in den Nachkriegsjahrzehnten Kirchenmänner wie Martin Niemöller und den Studentenpfarrer Herbert Mochalski.

Staatsrechtler Scholz: Bundesregierung bricht seit 2015 die Verfassung

BERLIN - Der Staatsrechtler und frühere Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) wirft der Bundesregierung vor, seit 2015 Monat für Monat das Grundgesetz zu brechen.

Alle Bundestagsfraktionen hätten, als das 2015 anfing, mitgemacht und sich mitschuldig gemacht. Scholz gegenüber der Wochenzeitung "Junge Freiheit", Ausgabe 21. Juni 2019: "Der entscheidende Verfassungsbruch lag darin, dass die Bundesrepublik seinerzeit unkontrolliert die Grenzen Deutschlands für eine ebenso unkontrollierte Einwanderung geöffnet hat."

Konkret sei der Artikel 16a des Grundgesetzes gebrochen worden, demzufolge niemand Asylrecht in Deutschland hat, wenn er aus einem sicheren Drittstaat einreise. (Auch alle Nachbarn Deutschlands sind sichere Drittstaaten.)

Die Öffnung der Grenzen sei der schwerste Verfassungsbruch


Zitat

"Nicht Integrität, Sachkompetenz und Rechtstreue entscheiden über den Erfolg eines Politikers und seinen Verbleib im Amt, sondern seine Nützlichkeit und Ergebenheit für den Parteiapparat und diejenigen, die ihn steuern." (Kurt Zach im Leitartikel der Wochenzeitung "Junge Freifreiheit", Ausgabe 7/20) 6/2/20


gewesen, den Deutschland in der siebzigjährigen Geschichte des Grundgesetzes erlebt habe.

Verfassungskrise und Flüchtlingskrise hielten bis heute an, so Scholz, weil nach wie vor monatlich etwa 15.000 Asylbewerber aus sicheren Drittstaaten nach Deutschland kämen.

Scholz stellt in dem Interview einige falsche Argumente klar. Das Schengen-Abkommen, erläutert der Staatsrechtler, betreffe die Freizügigkeit aller EU-Bürger und nicht die Einwanderung von außen. Als der Schutz der EU-Außengrenzen nicht mehr gegeben gewesen sei, "oblag der Grenzschutz wieder Berlin".

Das Argument der Kanzlerin, es habe humanitäre Not gedroht, lässt Scholz nicht gelten: "... denn es gibt keine Humanität über der Verfassung." Die ganze Artikel-1-Argumentation von der Würde des Menschen sei eine Ablenkung. "Weil es nämlich gar nicht um 'die Würde des Menschen' gehe, sondern um Artikel 16a des Grundgesetzes.

Der besage nicht nur, dass Einreisende aus Drittstaaten kein Asylrecht hätten, sondern auch, dass für die wirklich politisch Verfolgten ein Recht auf Asyl gelte. Die Rede sei von 'politisch Verfolgten' und 'Asyl' und nicht von Einwanderung. Mache man die Grenzen auf, dann habe das nichts mehr mit Asyl zu tun.

Auf den Hinweis, dass in Artikel 1 des Grundgesetzes von 'Würde des Menschen' und nicht von 'Würde des Deutschen' die Rede sei, reagiert Scholz: auch das sei Irreführung. "Denn das Grundgesetz ist eine nationale Verfassung, die für die Bundesrepublik Deutschland gilt und nicht für Menschen, die sich außerhalb Deutschlands in ihrer Würde verletzt sehen." Solche irreführenden Missverständnisse würden gezielt von Parteien, Journalisten, Nichtregierungsorganisationen, Teilen der Kirchen und anderen gezüchtet und gestreut. Sabin H o e r e r, 20/6/2019


Du sollst nicht töten

Frauen nach dem "Abbruch" menschlich erstarrt, entleert  

Von Sabin H ö r e r, Berlin

"Das alles ist Deutschland ... wir leben und wir sterben hier", singen die Prinzen. Was ebenfalls zu Deutschland gehört, wovon die Prinzen aber nicht singen: jedes Jahr werden hierzulande etwa 100.000 Kinder abgetrieben. Meistens bedeutet eine Abtreibung ein emotionales Desaster für die Frau. Wie sie damit klar kommt?

Es gibt wohl niemanden, der besser Gefühle abschneiden kann als das weibliche Wesen: den meisten Schwangeren ist nicht bewusst, welch unsäglich tiefe Verletzung sie sich mit der Abtreibung antun.

Die Zeitschrift "idea Spektrum" beleuchtet den sogenannten Schwangerschaftsabbruch mit einem bemerkenswerten Bericht von Daniela Städter (Ausgabe vom 14. Februar 2018).

Sie befragte ein Paar, zu dessen Lebensgeschichte zwei Abtreibungen gehören. Erstaunliche Offenheit und Direktheit der beiden führen in dem Bericht zu dem Schluss, dass ihr Leben zerstört gewesen wäre, hätte es nicht Gottes Wunder gegeben: "Ohne den Glauben an Jesus wären wir nie aus der Krise herausgekommen."

Zudem enthält die idea-Zeitschrift ein Interview mit der Ärztin und Psychotherapeutin Angelika Pokropp-Hippen (Münster), die Frauen nach einer Abtreibung begleitet.

Pokropp-Hippen macht auf das "Post Abortion Syndrome" PAS aufmerksam. Es kann bedeuten, dass Frauen nach der Abtreibung Schuld, Scham und Sehnsucht erleiden, Panikattacken, depressive Störungen, Schlaflosigkeit, Antriebs- und Konzentrationsschwächen.

Es gebe Frauen, so Pokropp-Hippen, die jahrelang erfolglos psychotherapeutisch behandelt worden seien, weil in der Therapie gar nicht über die Abtreibung als Ursache der Erkrankung gesprochen worden sei.  

Frauen menschlich erblasst, entleert, erstarrt. Beide idea-Beiträge verdeutlichen, dass es sich bei der Abtreibung nicht um den oberflächlich gesehenen "Abbruch der Schwangerschaft" handelt, das Entfernen von "etwas Gewebe", sondern um das Töten eines menschlichen Lebens mit schwerwiegenden Folgen.

In dem einen Fall der jungen Frau, über die Daniela Städter berichtet, war der kleine Mensch nach acht Wochen 1,8 Zentimeter groß gewesen, das Herz fast vollkommen entwickelt.

Die Ärztin Pokropp-Hippen gegenüber idea: Das Thema PAS sollte wissenschaftlich vertieft werden. Jedoch: "Die Gesellschaft schaut nicht hin und die meisten Medien, Politiker sowie Mediziner haben kein Interesse daran oder verschweigen es bewusst."

Das alles ist Deutschland ... wir leben und wir töten hier. (15/2/18, ergänzt 5/12/19)


Ps. Angelika Pokropp-Hippen ist im März 2019 gestorben.


Hans J. Reinowski, Mann der Freiheit

Deutsche keine Selbstdenker, die am liebsten geführt sein wollen?

Darmstadt (zeta) - "Radikale Maßnahmen" gegen den Darmstädter Studentenpfarrer Herbert Mochalski forderte 1960 Hans J. Reinowski (1900-1977) bei der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Der Sozialdemokrat Reinowski, Chefredakteur des Darmstädter Echo und Vorsitzender des Verbands Hessischer Zeitungsverleger, warf Mochalski extrem links orientierte Thesen und Taten vor. Dies berichtete der "Spiegel" in seiner Ausgabe 48/1960.

Reinowski laut "Spiegel": Mochalski habe es "während einer Debatte zwischen Ausländern im evangelischen Studentenheim der Technischen Hochschule zugelassen, daß Urteile gefällt wurden wie: In Deutschland gebe es keine Demokratie und kein politisches Bewußtsein außer dem Antikommunismus, sowie: Die Deutschen wollten nicht selber denken, sondern am liebsten geführt sein."

Hans J. Reinowski war ein Mann der Freiheit. In einer zeitweise erbitterten Gegnerschaft zum hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller (1892-1984) kritisierte Reinowski zum Beispiel, dass der Theologe 1966 den Lenin-Friedenspreis in Moskau entgegengenommen hatte. Niemöller war einer der führenden Köpfe der Bekennenden Kirche im Dritten Reich gewesen und engagierte sich als Pazifist sowie Aufrüstungsgegner in den Nachkriegsjahrzehnten. (27/2/2020)



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